Politische Diskussionen an Weihnachten

Am bei Plasisent veröffentlicht.

Eigentlich feiern wir an Weihnachten die Geburt von Gottes Sohn, dem Friede-Fürsten wie er in Jesaja genannt wird. Leider ist das mit dem Frieden auf Erden eher noch Hoffnung als Realität. Auch deswegen wird es bei vielen Familien-Feiern oder Treffen unter alten Freunden zu politischen Diskussionen kommen.

Es ist wichtig, dass wir uns diesen Diskussionen stellen, denn 2017 wird sich maßgeblich entscheiden, in welcher Welt wir künftig zusammenleben wollen, schreibt Jan Rode in seinem Appell You only have 1 job this Christmas (PDF). Er gibt eine handvoll Tipps, wie Diskussionen konstruktiv verlaufen können. ① Zuhören statt Besserwissen ② Verstehen statt Lästern ③ Die richtigen Fragen stellen und Die richtigen Antworten finden.

Mein Vorurteil ist, dass diese Diskussionen selten konstruktiv sind und nur zu mehr Zwiespalt führen. Heute habe ich jedoch einen Text gelesen, der von dem Gegenteil berichtet. Die Vorgeschichte steht im Falter aus Österreich: Boris wollte mich verbrennen. Ein Journalist spricht mit einem Mann, der bei Facebook seinen Mord gewünscht hat. Später im Artikel erzählt Boris, dass er von Verwandten und Kollegen Rückmeldung bekommen hat. Das habe ihm die Augen geöffnet.

Die Geschichte geht weiter. Für einen Jahresrückblick hat Florian Klenk bei Boris nachgefragt, was sich in seinem Leben geändert hat. Seine Antwort ist beeindruckend und macht Hoffnung (Warnung: Quelle bei Facebook).

Ich nutze nach wie vor Facebook, Youtube und andere Medien im Internet.

Ich habe jedoch ganz bewusst versucht, Filterblasen und Echokammern nicht nur zu vermeiden, sondern bestehende aktiv zu durchbrechen und das ist einfacher als man denkt.

Ich habe viele meiner "Gefällt mir" und Abonnements auf Facebook entfernt und statt dessen versucht eine ausgewogenere Infrastruktur an News-Quellen zu aufzubauen.

Es ist erstaunlich, wie sich das eigene Weltbild verändert wenn man nicht nur Strache, Unzensuriert.at und Wochenblick abonniert hat, sondern Personen aus anderen Richtungen mit in seine Informationsquellen aufnimmt.

Ich habe Leute wie Christian Kern, Armin Wolf, Sebastian Kurz und nicht zuletzt Sie, Hr. Klenk zu meinen Abos hinzugefügt. Schlagartig verändert sich das Spektrum an Nachrichten welche man von Facebook aufgetischt bekommt.

Und glauben Sie mir - man startet entspannter und mit einem positiveren Gefühl in jeden Tag wenn das erste was man beim morgendlichen Kaffee liest nicht von vergewaltigenden Migranten handelt sondern zB von der Solidarität und Hilfe gegenüber Leuten die bestens integriert sind und nun unverständlicherweise doch abgeschoben werden sollen.

Ich kann nur jedem empfehlen das gleiche zu tun. Wer nur in eine Richtung abonniert und "liked", der bildet sich keine Meinung - er übernimmt die Meinung anderer.

Es würde mich freuen wenn dieses Statement genauso viele Leute erreicht wie der ursprüngliche Artikel über mein "Hass-Posting". Hätte ich damals gewusst was ich heute über die Filtermechaniken der sozialen Medien weiß, wäre es nie soweit gekommen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Mitmenschen frohe Weihnachten und einen positiven Start ins neue Jahr. Mit mehr Miteinander und weniger Gegeneinander, denn das bringt niemanden weiter.

Zwei Dinge lerne ich aus dieser Geschichte. Erstens: Schweigen ist blöd. Sollte ich von einer vertrauten Person solch eine Aussage hören, möchte ich ihn liebevoll aber in aller Klarheit zurechtweisen. Zweitens: Diskussionen werden nicht gewonnen oder gekämpft. Versuche ernsthaft dein Gegenüber zu verstehen und dich verständlich zu erklären.

In diesem Sinne wünsche ich einen guten Start in die kommenden Feiertage. Und ein gesegnetes, friedvolles Weihnachtsfest.