Gekränkter Nationalstolz

Am bei Plasisent veröffentlicht.

»WIR SIND DAS VOLK«, schreist du mit deinen Nebenstehenden. »WIR SIND DAS VOLK.« Du brüllst diesen Schlachtruf vor Angst heulenden Frauen und Kindern ins Gesicht. Wut ist in deiner Stimme und erschreckender Hass.

Du schreist die Menschen an, die in deinem Land Zuflucht suchen, du schreist die Schwächsten der Schwächsten an. Menschen, die deine Sprache nicht verstehen, die dein Land nicht kennen, die Angst haben, weil das erste, was sie in Deutschland erleben, ein wütender, tobender Mob, hasserfüllter, fremden­feindlicher Menschen ist. Menschen wie dir, deren Ablehnung nur daher rührt, dass die ankommenden Familien in einem anderen Land zu Welt kamen.

FRAUEN UND KINDER, DU HERZLOSES WESEN! DENEN SCHREIST DU NACH IHRER LANGEN REISE VOLLER UNGEWISSHEIT INS GESICHT WIE SEHR DU SIE HASST, NUR WEIL SIE NICHT IM GLEICHEN LAND GEBOREN SIND WIE DU?

Aber ich bin von hier. Wir zwei, du und ich, wir sind innerhalb der gleichen politischen Grenzen geboren. Und ich bin entsetzt, wie sehr ich – wegen dir – mein Heimatland zu verabscheuen beginne. Und ich bin entsetzt, wie ekelhaft du deine Aufgabe als Gastgeber mit Füßen trittst.

Du bist nicht das Volk. Aber du bist Teil des Volkes. Du bist eine Schande für uns, die wir im gleichen Land geboren sind wie du. Du zeigst uns so deutlich, wo wir als Nation versagt haben.