Dealing With Words

Am bei Plasisent veröffentlicht.

Eigentlich konnte ich mich mit ihr gut unterhalten. Trotzdem habe ich das Gespräch abgewürgt. Es ärgert mich, dass ich ihr gegenüber so voreingenommen bin; aber du redest oft so negativ von ihr.

Scheiße. Eigentlich bemühe ich mich positiv über andere zu reden. Offensichtlich ohne Erfolg. Ein neuer Anlass um mich selbst zu hinterfragen. Schnell beruhige ich mich selbst: Ich rede nicht schlecht über meine Mitmenschen. Zumindest nicht um ihnen zu schaden.

Mir fällt aber auch auf, dass ich nicht ausschließlich positiv von anderen erzähle. Egal ob jemand falsch singt, sein Taschentuch ungeschickt hält, unapetitlich isst oder die schönste Farbe (natürlich grün) nicht wertschätzt; immer wieder berichte ich von den störenden Eigenschaften anderer.

Dabei erzähle ich diese Dinge gar nicht mit böser Absicht. In den meisten Fällen möchte ich mich meinem Gesprächspartner nur offenbaren (frei nach dem Vier-Ohren-Modell). Diese Erzählungen gehören für mich zur Antwort auf die Frage: Wie war dein Tag?

Leidiges Positionieren

Eigentlich ist es logisch. Ich erzähle meinem Gesprächspartner überwiegend, was mich an anderen stört. Nach dem Gespräch bleibt bei ihm unterbewusst hauptsächlich eines hängen: Meine negative Stimmung gegenüber den genannten Menschen. Zumindest wenn ich meinem Gesprächspartner näher stehe, als die anderen Personen.

Mal als frei erfundenes Beispiel (sämtliche Ähnlichkeiten zu real existierenden Personen oder Verhaltensweisen sind rein zufällig): Ich erzähle meiner Frau von der Arbeit. Von einem Kollegen war ich genervt. Er hat den ganzen Tag über gepfiffen. Mich hat es in meiner Konzentration gestört. Meine Frau positioniert sich näher an mir. Sie leidet nachträglich mit mir und stimmt mir zu, wie unerträglich das Gepfeife doch ist. Unsere Beziehung wird dadurch gefestigt. Wenn sie ihn aber persönlich trifft, steht gleich etwas zwischen den beiden. Obwohl sie sich vorher noch nie begegnet sind.

Gelegentlich ist dieses Positionieren nicht sonderlich dramatisch. Wie wenn ich von Personen erzähle, die mein Gegenüber nicht kennt – und nicht kennen lernen wird. Andernfalls gilt jedoch: Ich manipuliere die Beziehungen meines Gesprächspartners.

Unregelmäßiges Erinnern

Die Macht meiner Worte in den Beziehungen meiner Mitmenschen, muss ich mir immer wieder neu bewusst machen. Also nehme ich mir jetzt vor, mich in unregelmäßigen Abständen daran zu erinnern. Am besten mache ich das mit Social Media Posts, dann erinnere ich vielleicht noch ein oder zwei andere daran.

Vor kurzem bekam ich einen Anstoß durch das neue Lied Dealing With Words der Band CEiL. Der Text spricht von einer lustig erzählten Geschichte, die für den anderen zur bitteren Realität wurde. Meiner Meinung nach eignet sich der Titel gut, um unregelmäßige Erinnerungen mit einem Hashtag zu versehen: #DealingWithWords.