Wenn ein Tweet nicht reicht …

Am bei Plasisent veröffentlicht.

In 140 Zeichen lassen sich meistens nicht alle Aussagen unterbringen, die gerade wichtig sind. Vor allem lassen sich keine ganzen Geschichten in dieser Textmenge erzählen; zumindest nicht auf Deusch. Dafür ist Twitter auch nicht gedacht. Und dennoch gibt es immer mehr Twitterer, die mehr wollen, als 140 Zeichen zu kommunizieren. Sie haben keine Mühen gescheut und zwei Wege gefunden, um die Zeichenbegrenzung bei Twitter zu umgehen.

Text im Bild

Bilder lassen sich in einem Tweet teilen und Twitter hat bisher noch keine Begrenzung für Texte in einem Bild eingeführt – ich bezweifle auch, dass sie es je tun werden. Deswegen können ganze Texte einfach als Foto oder Screenshot geteilt oder gleich in einem Bildbearbeitungsprogramm geschrieben werden.

Problem: Text im Bild ist tot

Dieser Trend ist zum Beispiel für Blinde ätzend. Aber auch für alle anderen, die – aus welchem Grund auch immer – einen Screen-Reader verwenden. Texte in Bildern sind aus technischer Sicht nicht vorhanden, was du mit folgendem, kleinen Experiment feststellen kannst.

Suche dir ein Tweet mit Text im Bild (z.B. diesen Tweet über NATO-Draht) und versuche dessen Text zu markieren. Geht nicht, oder? Dein Browser zeigt zwar das Bild an, erkennt den Text darin aber nicht als Text. Es gibt zwar Software für Texterkennung, aber diese Software ist selten in einem Browser oder einem Betriebsystem eingebaut.

Problem: Fehlender Zusammenhang

Oft werden nur Auszüge aus ganzen Sätzen geteilt, die schnell gelesen werden können, aber trotzdem zu lang für einen Tweet sind. Auszüge sind in Ordnung, wenn es eine Möglichkeit gibt den Zusammenhang zu erfahren. Leider fehlt bei diesen Auszügen oft ein Link zum Original oder zumindest eine Quellenangabe.

Tweets bis zum Ende

Ein Tweet reicht nicht aus? Dann werden häufig eben so viele Tweets geschrieben, bis die Geschichte erzählt ist. Immerhin gibt es keine Begrenzung für die Anzahl an Tweets und Twitter erkennt auch nicht, wenn zwei Tweets zu einander gehören.

Problem: Zusammenhanglose Posts

Ein Tweet ist ein einzelner Tweet. Zwei Tweets sind zwei einzelne Tweets. Eine Antwort ist ein einzelner Tweet und keine Verlängerung des Tweets auf den geantwortet wird. Wie oben geschrieben: Twitter erkennt nicht, wenn zwei Tweets eine fortlaufende Erzählung beinhalten.

Wenn du eine kurze Geschichte in 20 Tweets erzählst, die mir sehr gut gefällt, dann möchte ich diese gerne weiter empfehlen oder mir in einem Bookmark speichern. Also verlinke oder bookmarke ich 20 Tweets? Oder nur einen mit einer Notiz wie: „Bitte alle Antworten auch lesen.“

Du kannst mir nicht erzählen, dass du dieses Vorgehen für benutzerfreundlich hältst und du brauchst es auch gar nicht erst versuchen, ich werde dir nicht glauben.

Problem: Unsaubere Darstellung

Nach meiner Beobachtung zeigt Twitter in der Timeline einen Tweet und zwei vorherige Tweets eines Gesprächs an. Wenn jetzt 20 Tweets immer als Antworten aufeinander gepostet werden, die eine zusammenhängende Geschichte erzählen, ergibt dies ein fürchterliches Durcheinander in der Timeline. Und auf der Detail-Seite eines Tweets werden die Antworten nicht immer vollständig angezeigt.

Besser: Ein Blog-Post

In deinem eigenen Blog hast du keine Begrenzung auf 140 Zeichen, du kannst einfach schreiben; zumindest bis deine Geschichte fertig ist. Dann kannst du einen einzelnen Post veröffentlichen, der klar und deutlich als zusammenhängendes Element im Web erkennbar ist. Mit einer URL, die geteilt und gespeichert werden kann. Mit einer Darstellung, die nichts verbirgt oder in einer verwirrenden Reihenfolge anordnet.

Inspirationen

Zu diesem Thema will ich schon lange etwas schreiben, weil es mich wirklich nervt. Das es jetzt tatsächlich zu diesem Post kam, ist Martin Gommel zu verdanken, der seinen neuesten Post über die Freedom Skaters vermutlich komplett getweetet hat. Zumindest hatte ich sehr viele Auszüge in meiner Timeline.

Ich möchte diesen Post explizit nicht als Kritik an Martin Gommel verstanden wissen. Er schreibt tolle Geschichten und postet super Bilder, zum Beispiel ein Bild aus dem Kosovo. Folgt seinem Blog, das lohnt sich.

Mich interessiert aber, wie du zu dem Thema stehst. Postest du auch mehrere Tweets aufeinmal, wenn einer nicht reicht? Twitterst du Bilder mit Text? Wenn ja: Warum? Wenn nein: Nervt es dich genauso sehr wie mich? Schreib mir doch einfach eine E-Mail (micha@rosetree.de).