Störerhaftung stört Fernbeziehung

Am bei Plasisent veröffentlicht.

Die Initiative Freifunk statt Angst weist auf folgendes hin: WLAN-Störerhaftung geht alle an! Nach dieser Woche kann auch ich ein konkretes Beispiel zu dieser These beitragen. Mein Bericht soll zeigen, wie die aktuelle WLAN-Störerhaftung einem jungen Paar in einer Fernbeziehung die Kommunikation erschwert.

Meine Verlobte nimmt im Rahmen ihres BuFDis (lies „Bundesfreiwilligendienstes“) gelegentlich an einwöchigen Seminaren teil. Diese finden unter anderem in Jugendherbergen statt, wo es Platz für mehrere Freiwillige (ich werde sie im folgenden Frei-Willis nennen) gibt.

In ihrem Fall dauerte es mehrere Tage, bis sie sich verbinden konnte, weil es den Verantwortlichen nicht klar war, welche Vorraussetzungen erfüllt sein müssen. Muss dafür gezahlt oder ein Formular ausgefüllt und mit Perso abgegeben werden, wie es in vielen Internet-Cafés der Fall ist?

Zudem besteht nach aktueller Rechtslage ein Problem, wenn ein Frei-Willi das WLAN nutzt um, illegale Aktionen im Dark Web dieses ominösen Internetzes durchzuführen. Die Person, die das Passwort an die Frei-Willis übergeben hat, könnte für sämtliche kriminellen Handlungen haftbar gemacht werden, wenn der Terrorist Verbrecher Frei-Willi nicht ermittelt werden kann.

Eine unangenehme Situation für die Verantwortlichen und blöd für uns, denn nachdem ihr Handy vor zwei Wochen endgültig den Geist aufgegeben hat, können wir ausschließlich über das Internet kommunizieren. Eigentlich kein Problem; als Web-Entwickler, Freizeit-Blogger und Web-Enthusiast verbringe ich sowieso einen Großteil meiner Zeit am Computer. Dennoch kann mit der Störerhaftung unsere Kommunikation verhindert werden.

Weg vom Luxus-Problem

Meine Verlobte und ich mussten eine Woche ohne Kontakt im Netz aushalten; ein Kiesel, verglichen mit der Last eines Berges, den viele Flüchtlinge mit sich tragen, die seit Wochen oder Monaten von ihren Familien getrennt sind. Für sie ist Internet oft die einzige Möglichkeit, um mit ihren Angehörigen zu kommunizieren.

Mobiles Internet ist, zumindest in Deutschland, sehr teuer und für Flüchtlinge schwer zu beziehen. Für sie ist es enorm wichtig, dass es freies WLAN gibt, mit dem sie sich verbinden können. Einschränkungen, wie die Vorlage eines Personalausweises, sind unnötige Hindernisse. Deswegen freue ich mich besonders darüber, dass Freifunker in vielen Städten Flüchtlingsunterkünfte mit freiem WLAN versorgen.

Gerade wird in der Politik, auf Bundes- und EU-Ebene, das freie WLAN bekämpft. Juergen Neumann warnt im Freifunkblog: Es geht ums Ganze! Dort formuliert er auch die drei zentralen Forderungen der Freifunker.