Die Steigerung der „schwersten Kriminalität“

Am bei Plasisent veröffentlicht.

Heute Mittag habe ich ein paar Seiten im Buch des Neusprech-Blogs gelesen. Da fiel mir ein Artikel auf, den Martin Haase im Februar 2013 über den Begriff „schwerste Kriminalität“ veröffentlichte. Beendet wurde sein lesenswerter Artikel mit folgender Frage:

Was aber kommt nach der schwersten Kriminalität, die überschwerste, die brutalstmögliche, die unvorstellbare? Wir werden es wohl leider bald erfahren.

Bei der letzten Bundespressekonferenz hat Tilo Jung gefragt, ob die Bundesregierung einen Zusammenhang zwischen Terrorismus und den Drohnenmorden sieht. In der Antwort von Steffen Seibert können wir eine Steigerung der schwersten Kriminalität erkennen.

Die Hervorhebungen im folgenden Zitat sind von mir. Dazu möchte ich anmerken, dass sowohl im Transkript von Tilo Jung als auch in der Abschrift der Bundesregierung von „verabschiedungswürdigen Terroranschlägen“ die Rede ist. Im Video, das Tilo Jung auf YouTube veröffentlicht hat, klingt das meiner Meinung nach eher nach „verabscheuungswürdigen Terroranschlägen“. Das ergibt in meinen Ohren auch mehr Sinn. Oder kann mir jemand erklären, was „verabschiedungswürdige Terroranschläge“ sind?

Tilo Jung: Herr Seibert, sieht die Bundesregierung einen Zusammenhang zwischen dem Terrorismus in Europa und zum Beispiel den westlichen Drohen-Kriegen im Nahen Osten?

StS Seibert: Ich möchte hier jetzt nicht das ganz große Bild aufmachen. Wir haben es jetzt gerade in Paris mit entsetzlichen und verabscheuungswürdig Terroranschlägen zu tun. Ich weigere mich, bei solchen blutrünstigen Taten, die voller Hass sind, in eine Motivdebatte einzusteigen. Das ist das, was ich dazu sagen möchte. Es handelt sich um Hass, offensichtlich um Hass auf Andersdenkende und Hass auf Andersglaubende, ganz besonders in der antisemitischen Ausprägung. Dafür suche ich keine Motive, sondern das verdamme ich für die Bundesregierung. Glücklicherweise haben ja Millionen von Menschen in Europa und in aller Welt sehr klar zum Ausdruck gebracht, was sie davon halten.

Wie gut, dass die kriegsähnlichen Zustände, die der Westen im Nahen Osten verursachte, Missionen zur Stabilisierung sind. Die in den chirurgischen Kampfeinsätzen gezielten Tötungen durch Drohnen sind natürlich keine blutrünstigen Morde. Falls dabei unschuldige Opfer ums Leben kommen, sind das nur bedauernswerte Einzelfälle, nach denen man auf jeden Fall innehalten sollte. Und überhaupt sind die humanitären Einsätze des bewaffneten Militärs nicht voller Hass, es sind Einsätze aus reiner Nächstenliebe.

Wenn man den bitteren Sarkasmus beiseite legt, bleibt eine lähmende Trauer über diese Umstände. Kann es sein, dass Morde in Europa / von Menschen aus dem Nahen Osten als entsetzliche und verabscheuungswürdige Terroranschläge bezeichnet werden, während Morde im Nahen Osten / von Menschen oder Drohnen aus Europa als gezielte Tötungen gerechtfertigt werden? Morde sind Morde; es sterben immer Menschen. Keiner ist weniger schlimm als andere. Das unsere Regierung diese Tatsache immer wieder auszusetzen versucht, ist ein Skandal.