Die Gefahren der Metadaten

Am bei Plasisent veröffentlicht.

Nachdem die Richtlinie der EU zur Vorratsdatenspeicherung (VDS) für ungültig erklärt wurde, gibt es immer noch genug Stimmen, die sich für eine VDS aussprechen. Gegner der VDS werden zum Beispiel mit organisierten Kriminellen gleichgesetzt.

Dabei wird nicht anerkannt, dass jeder bei einer VDS etwas verliert. Nicht nur der organisierte Verbrecher, sondern jeder Bürger; auch wenn man niemandem etwas Böses will.

Nehmen wir als Beispiel das Projekt Kein Täter werden. Menschen, die Kinder mehr lieben, „als ihnen lieb ist“, bekommen kostenlose Therapien unter Schweigepflicht, damit sie nicht wegen Übergriffen auf Kinder strafbar werden. Das Projekt finde ich gut und wichtig. Aber meiner Meinung nach wird es von einer VDS komplett unbrauchbar gemacht.

Wenn man sich einmal anschaut, wie man dort eine Therapie in Anspruch nehmen kann, dann wird das ein wenig deutlicher.

Im ersten Schritt informiert man sich möglicherweise auf der Internetseite des Projektes. Die ersten Daten werden gespeichert. Wenn irgendwann eine Großfahndung gegen Kinderpornographie durchgeführt wird, könnten Besucher dieser Seite verstärkt in den Fokus geraten.

Bevor man therapiert wird, kann man sich dort telefonisch melden, persönlich vorbei schauen oder eine E-Mail schreiben. Bei jeder dieser Wege fallen Daten an, die gespeichert werden. Wer persönlich vorbei geht, hat in den meisten Fällen sein Handy dabei und kann mit diesem geortet werden. Dazu kann man sich die Visualisierung der Vorratsdaten über Malte Spitz anschauen. Über 6 Monate kann man ihn quasi auf Schritt und Tritt verfolgen.

Danach finden wohl mehrere Treffen statt, in denen die Therapie Bedürftigen eingeschätzt werden. Wo diese stattfinden, weiß ich nicht. Aber ich gehe davon aus, dass vor Ort sie in dem Zentrum stattfinden (auch wenn ich es nicht hoffe). In diesem Fall findet man in den Vorratsdaten der betroffenen Person regelmäßigig den gleichen Ort.

Wie die Vorratsdaten von Malte Spitz und ein ähnliches Projekt zeigen, können diese Daten sehr einfach sehr genau ausgewertet werden. Dazu müssen nicht einmal die Inhalte gespeichert werden. All das lässt sich anhand einfacher Metadaten erkennen.

Das die Täter gefunden werden müssen, bestreitet niemand. Aber in diesem Beispiel, werden auch diejenigen bestraft, die sich selbst und die Kinder schützen wollen. Ich will nicht in einem Land leben, das hilfesuchenden Menschen Anonymität anbietet und sie gleichzeitig verfolgt.